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14 April
Sonntag, den 14.04.2019 09:30 Uhr Friedenskirche

Wolke von Zeugen

Predigt zu Hebr 12,1-3

In dem Kapitel, das unserem Predigttext vorangeht, zählt der Hebräerbrief alle auf, diese Zeugen. Er kennt jede der großen Gestalten des Alten Testaments. Von Abel, Noah, Abraham und Sara, Isaak und Jakob, Joseph und Mose an. Und selbst Rahab, die Hure, lässt er nicht aus. Dann folgen die Richter, die Vorläufer der Könige Israels, und weiter die Könige David und Samuel, die Propheten und schließlich die Zeugen des Neuen Bundes.

Sie wagen etwas, dessen Ausgang sie nicht absehen können. Aber sie tun es trotzdem, weil sie darauf vertrauen, dass Gott es gut ausgehen lässt. „Diese alle sind gestorben im Glauben und haben die Verheißungen nicht ergriffen, sondern sie nur fern gesehen und gegrüßt und haben bekannt, dass sie Gäste und Fremdlinge auf Erden sind,“ schreibt der Verfasser des Hebräerbriefs. Und sie bekennen sich damit zu einer Heimat, die uns zwar allen in die Kindheit scheint und in der aber noch niemand war, weil wir dorthin noch unterwegs sind.

Diese biblischen Gestalten legen also Zeugnis dafür ab, dass es eine Zukunft für uns gibt, die jede Vorstellungskraft übersteigt, nämlich dass unsere Welt mit all der Gewalt und den Kriegen, mit dem Leid und den Tränen, mit den Katastrophen und Ängsten auch ganz anders sein kann. Und dass wir in dieser Zukunft alle ans Ziel kommen und endlich Frieden herrscht.

Auch jene, die in der Nazizeit hier in der Friedenskirche zusammengekommen sind, haben aus dem Vertrauen auf diese Zukunft Kraft geschöpft, dem furchtbaren Schreckensregime, das alle Lebensbereiche besetzen wollte, damals die Stirn zu bieten.

All diese Zeugen haben wir um uns herum und in unserem Herzen. Als Ermutigung und Schutz, als Orientierung und Trost. Und deshalb können und sollen wir auch einstehen für eine Zukunft, die Gott uns schenkt.

Wie wichtig, liebe Brüder und Schwestern, sind doch solche Zeugnisse gerade heute, wo ringsum das Ende der Welt mit dicken Buchstaben wie Feuer an der Wand steht und die Menschen sich zurückziehen mit den Worten: „Da kann man doch sowieso nichts mehr machen!“

Deswegen gehen doch diese vielen jungen Menschen seit Wochen und Monaten auf die Straße und streiten mutig und unermüdlich dafür, dass es unsere Erde auch morgen noch gibt. Und sie teilen mit uns ihre Träume von einer guten Zukunft. Sie stehen Seite an Seite in ihrer Sorge und lassen sich die Hoffnung auf Veränderung nicht nehmen. Und wir als christliche Gemeinde sind aufgefordert, mit ihnen für dieses Morgen aufzustehen und ihnen Mut zu machen, die Ängste vor diesem Morgen abzulegen.

Das nicht zu tun und die Augen vor der Gegenwart zu verschließen und zu leben, als ob es kein Morgen gibt, ist, das macht der Hebräerbiref ganz deutlich, der Gegensatz zum Glauben. Das ist die Sünde, vor der uns warnt. Denn sie macht entsetzlich müde und schwerfällig. Sie ist es, die die Ängste vor Veränderung und damit auch vor dem Morgen schürt.

Liebe Brüder und Schwestern!
Nun lassen sich Ängste und Sorgen leider nicht einfach so auf Knopfdruck abschalten lassen. Auch darum weiß der Hebräerbrief und rät uns, dann den Blick zu heben und auf Jesus Christus zu schauen, der uns vorangeht und hinter uns ist, um uns den Rücken zu stärken. Als Anfänger und Vollender des Glaubens, der dafür steht, dass nicht der Tod und seine Mächte das letzte Wort haben, sondern Gott allein mit seiner unbedingten Liebe.

Seht auf Christus! Das war auch die Devise der Bekennenden Kirche. An ihm hat sie sich in den dunkelsten Zeiten festgehalten. Und das große Kreuz hier in unserer Friedenskirche mit der Krone darüber erinnert daran: Christus allein hält unsere Zukunft in seinen Händen. Und seine Macht ist die Liebe, die alles riskiert, damit mitten in der Nacht endlich ein neuer Tag anbricht.

Und so reihen wir uns, liebe Brüder und Schwestern, in den Zug all jener ein, die auf ihn schauen und ihm folgen mit den grünen Zweigen der Hoffnung. Nur wenn wir diese Hoffnung nicht verlieren – und mag sie noch so klein und brüchig sein-, kann sich etwas ändert und die Zukunft anders werden, als es die Gegenwart verspricht.

Und sollten uns die Sorgen und Ängste doch einmal zu schwer werden, dann tut es gut, sich an all jene zu erinnern, die mit uns gehen, die uns vorangegangen sind und die uns folgen werden. In ihnen allen ist Gott da. Verborgen und doch ganz nah.
Amen

Pfarrerin Henriette Crüwell

Wir freuen uns auf Ihren Besuch in der Friedenskirche in Offenbach am Main.