Evangelische Kirche in Hessen und Nassau Jetzt folgen
Haben Sie Fragen?
14 April
Freitag, den 14.04.2017 18:00 Uhr Friedenskirche

Karfreitag

Einführung Passion 2017

Eben noch haben wir in das „Hosanna“ eingestimmt, mit denen die Menschen in Jerusalem Jesus willkommen heißen. Eben noch sind wir leichten Schrittes mit Jesus in Jerusalem eingezogen. Noch haben wir die Klänge des Liedes im Ohr „Jesus zieht in Jerusalem ein. Hosianna!“ Doch schon ahnen wir hinter der Königskrone die Krone aus Dornen und hinter dem Jubel vernehmen wir bereits das schreckliche „Kreuzige ihn“.

Wenn wir gleich die Passionsgeschichte hören, dann trauern wir nicht um den toten Jesus. Vielmehr glauben wir, dass seit den Ereignissen, die hier erzählt werden, die Auferstehung unseres Herrn geschehen ist. Die Evangelien sind aus der Ostererfahrung niedergeschrieben worden. Und so sollen sie auch gelesen werden.

Die Passionsgeschichte ist aber auch kein historischer Roman, den wir einfach nur lesen und uns vielleicht mit der ein oder der anderen Romanfigur identifizieren können. Denn dann würden wir sie in dem Bewusstsein hören, dass diese Ereignisse in der fernen Vergangenheit liegen und nichts weiter sind als eine Erinnerung an ein längst vergangenes Geschehen. Erzählt zu unserer Unterhaltung oder Belehrung.

Die Passionsgeschichte ist vielmehr unsere Geschichte. Sie wird uns erzählt, damit wir umkehren und zum Glauben kommen.

Jesus starb vor den Toren Jerusalems. Dort, wo die Aussätzigen und all jene wohnen und sterben, die nicht dazugehören, die ausgeschlossen sind aus der „guten Gesellschaft“. Mit ihnen solidarisiert er sich. Bis in den Tod hinein.

Wir sind mit Jesus nach Jerusalem hineingezogen. Und wenn wir gleich mit ihm den schweren Weg hinaus – vor die Tore der Stadt gehen, dann gehen wir mit ihm zu all jenen, die dort ihr Leben fristen. Bis heute. In den Baracken und kalten Mietbunkern unserer Städte. In den Psychatrien, Heimen und Gefängnissen dieser Welt, die sich bezeichnenderweise selten inmitten in der Stadt finden.

Durch Jesu Tod vor den Toren der Stadt gibt es im Volk Gottes kein „außen vor“, kein Außerhalb mehr. Er sammelt uns alle. Ohne Ausnahme. Und er geht noch dem Letzten hinterher, weil wir alle Kinder Gottes sind.

Er will, dass wir eins sind mit ihm und miteinander. Deswegen leidet er mit uns mit. Und deswegen fordert er auch unsere Com-passion, wie es im Englischen so treffend heißt, unsere Solidarität mit den Armen, mit den Ausgestoßenen, mit den Verzweifelten und den Sündern. Das ist nicht einfach nur fromme Moral. Da entscheidet sich unser Glauben! Unser Glauben an Gott, der sagt: „Barmherzigkeit will ich nicht Opfer!“

Die Passionsgeschichte des Evangeliums ist eine Geschichte dieser Barmherzigkeit Gottes, der sich hingibt bis ins Letzte, um jenen nahe zu sein, die einsam sind, um jenen ihre Würde zurückzugeben , die keine Achtung genießen und um allen, die einmal sterben müssen, das Leben zu schenken. Die Geschichte einer Barmherzigkeit Gottes also, der in seinem Sohn mit-leidet, um uns alle zu retten und uns ein für alle mal mit ihm und untereinander zu versöhnen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch in der Friedenskirche in Offenbach am Main.