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19 April
Freitag, den 19.04.2019 15:00 Uhr Friedenskirche

Warum, Gott?

Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?

Warum, Gott? fragen wir Menschen.
Warum muss mir das passieren?
Warum muss mein Mann, meine Frau, meine Eltern, mein Freundin, mein Freund so leiden?
Warum muss ein Mensch überhaupt so leiden?
Warum all das Schreckliche in der Welt?
Warum muss mein Kind vor mir gehen? Warum nicht ich?
Warum diese Kriege?
Warum siegt immer wieder das Böse?
Warum…
Warum? fragen wir Menschen und suchen nach Sinn und Grund in all dem, was uns an Schrecklichen widerfährt/geschieht. Und wir finden keine Antwort. Gibt es denn eine?

Viele, die an Dich glauben, erleben es doch immer wieder. Ausgerechnet wenn ich Dich am dringendsten brauche, wenn ich deine Nähe spüren will, weil ich den tiefsten Kummer habe, ausgerechnet dann bist du nicht da. Ich bete, aber da ist nur Leere. Ich suche nach Halt, aber ich falle, und da ist niemand, der mich auffängt. Auch Du nicht!
Pause
„Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ schreit auch Jesus am Kreuz.
Ist er uns nicht in diesem Schrei nicht am allernächsten? Ist er uns nicht in seinem furchtbaren, in seiner schmerzlichsten Menschen- und Gottverlassenheit am allernächsten?
In ihrem Gedicht Golgatha sagt es eine Dichterin so:
„Wann
wenn nicht
um die neunte Stunde
als er schrie
sind wir ihm
wie aus dem Gesicht geschnitten…“

Ja, liebe Brüder und Schwester, er ist uns in diesem Schrei wie aus dem Gesicht geschnitten! Er teilt mit uns unser Menschenlos. Er ist mit uns in der Todesschattenschlucht, dann, wenn wir keinen Ausweg mehr sehen. Christus hält uns fest, auch in unserer tiefsten Gottlosigkeit und Verzweiflung. Selbst dann also, wenn wir es ihm nicht glauben können.
Und er lässt auch Gott nicht los.
Er greift nach uns beiden.
Er ist aufgespannt zwischen Himmel und Erde und verbindet Gott und Mensch ein für alle Mal miteinander.

„Nur seinen Schrei
nehmen wir ihm noch ab
und verstärken ihn
in aller Munde“ schließt Eva Zeller ihr Gedicht und sieht Christus an unserer Seite. In unserem Schrei nach Gerechtigkeit, nach Heil, nach Liebe und nach Frieden ist Gott bei uns. Denn es ist auch sein Schrei.

Und als der römische Hauptmann, der unter dem Kreuz Wache hält, diesen Schrei hört, bekennt er voller Staunen: „Wahrlich, das ist Gotte Sohn!“ und glaubt ihm auch die anderen Worte, jene vom Himmelreich, das nahe ist.

Dieser von den Menschen Gekreuzigte macht uns Mut, Gott nicht loszulassen, sondern ihn einzufordern, einzuklagen und ihn herbeizuschreien, wenn es sein muss, auf dass er da sein möge in unserem Leben und in unserer Welt.

Und wenn wir gleich die Passion nach Johannes hören, dann können wir uns zu ihm stellen und mit ihm auf den schauen, der aus Liebe zu uns Menschen alles riskiert, damit wir zu ihm finden und ihm glauben, dass er bei uns ist und bleibt. Auch in der tiefsten Verzweiflung verborgen und ganz nah.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch in der Friedenskirche in Offenbach am Main.