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21 Mai
Sonntag, den 21.05.2017 09:30 Uhr Friedenskirche

Konfirmation

Es ist soweit! Unsere diesjährigen Konfis sind konfirmiert! Wir freuen uns mit ihnen, applaudieren und begrüßen sie herzlich als Erwachsene in unserer Gemeinde.

 

Predigt zur Konfirmation

Predigt zu Jes 55,1-3; 12-13; Joh 6,30-35

 

Liebe Konfirmandinnen und lieber Konfirmand, liebe Brüder und Schwestern,

endlich ist es da: das große Fest! Eure Konfirmation! Von überall her sind Eure Verwandten und Freunde gekommen, um mit Euch zu feiern. Und wie sich das für ein Fest gehört, werdet Ihr heute nach dem Gottesdienst zusammen irgendwo schick essen gehen. Kaffee und Torte satt wird es geben, vielleicht Gegrilltes und Eis, Geschenke und und und. Wie schön!

Zu diesem Fest passen die Texte aus der Bibel, die wir eben gehört haben, ganz wunderbar. Schon der Psalm, den wir zu Beginn gebetet haben, malt uns das Bild eines Gelages: volle Gläser, einen gedeckten Tisch und fröhliche Gäste. Also alles Zutaten für ein gelungenes Fest.

In der Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja werden wir gebeten, einzukaufen, ohne zu bezahlen. Wasser und alles, was wir zum Leben brauchen, sollen wir in Hülle und Fülle haben. Und zwar „gratis“. Dieses Wort kommt von „gratia“. Das heißt auf Deutsch unentgeltlich, aber auch Gnade, Schönheit, Anmut. Ohne vorher etwas leisten zu müssen, werden wir reich beschenkt wie bei einem Fest. Davon ist Jesaja überzeugt. Und ich bin es von unserem heutigen auch.

„Berge und Hügel brechen bei eurem Anblick in Jubel aus,“ schreibt der Prophet da und fährt fort: „alle Bäume auf dem Feld klatschen Beifall“.
Und so soll’s doch auch heute sein! Alle, liebe Konfirmanden und Konfirmandinnen, alle, die heute morgen hier bei euch sind, aber auch eure Nachbarn und Freundinnen und Freunde freuen sich mit euch und stehen an Eurem Wegesrand und applaudieren!

Im Evangelium schließlich vergleicht sich Jesus selbst mit einer himmlischen Speise. Wer davon isst, wird keinen Hunger und keinen Durst mehr haben. Es ist alles im Überfluss da. Wie bei einem großen Fest eben. Wie heute an Eurem Konfirmationstag, den Ihr hoffentlich nie vergessen werdet.

So sind Festtage eben. Und es ist so schön, dass wir sie haben. Da fällt es leicht, Gott zu glauben, dass er schon für uns sorgt – sogar im Angesicht unserer Feinde, wie es im Psalm 23 heißt.

Wie aber geht das mit dem Glauben an diesen Gott, wenn es nichts zu feiern gibt? In den Durststrecken des Lebens, wenn alles grau in grau ist? Im Alltag, wo wir andere Sorgen haben?

Ich möchte Euch eine kleine Geschichte erzählen, die vielleicht eine Antwort darauf gibt, auch wenn sie uns zuerst einmal selbst vor eine Frage stellt.

Die Geschichte handelt von einem Wanderer, der allein mitten in der Wüste unterwegs ist.Tagelang ist er orientierungslos durch die flirrende Hitze gelaufen. 
Er ist müde und erschöpft. Er hat schrecklichen Durst.
 Da sieht er von weitem einen Brunnen. Mit letzter Kraft schleppt er sich dorthin. Bei dem Brunnen steht ein Gefäß, gut zugedeckt. Unser Wanderer macht den Deckel auf: Das Gefäß ist randvoll gefüllt mit Wasser. Als er es aufheben und gierig daraus trinken will, sieht er darunter einen Zettel liegen. Darauf steht: „lieber Wanderer, du hast mit diesem Wasserkrug zwei Möglichkeiten: du kannst damit die versandete Pumpe des Brunnens reini- gen. Dann hast du Wasser in unbegrenzter Menge. Du kannst auch diesen Krug austrinken. Aber bedenke dann bitte, dass dies vielleicht das letzte Wasser war, das du in deinem Leben getrunken hast.“

Wie, liebe Konfirmandinnen, liebe Gemeinde, wie wird sich unser einsamer Wanderer in der Wüste wohl entscheiden? Wie würden wir uns entscheiden? Würden wir der Botschaft trauen? Was, wenn es nicht funktioniert? Was, wenn das Wasser im Krug nicht ausreicht, die versandete Pumpe des Brunnens zu reinigen und das kostbare Nass umsonst verschüttet wäre? Nicht auszudenken, wäre das. Eine Katastrophe!

Dann ist es doch wirklich besser, den Krug auszutrinken, auch auf die Gefahr hin, dass der Brunnen so für immer versandet bleibt, weil für zukünftige Wanderer nichts mehr bereitstehen wird, um die Leitung zu spülen.

Auf kurze Sicht gesehen, ist es auf jeden Fall sicherer, den Durst mit dem Wasser aus dem Krug zu löschen und wenigstens für diesen Augenblick zu überleben. Getreu dem Motto: Was man hat, das hat man.

Das ist eine Maxime, mit der man eigentlich gut durchs Leben kommen kann – von Wasserkrug zu Wasserkrug, von einem Tag zum anderen.

Und wenn wir Erwachsenen überprüfen, wohin uns unsere täglichen Be-Sorgungen so bringen – ein verräterisches Wort übrigens – dann sind das meist, wenn wir ehrlich sind, Wasserkrüge, die schnell ausgetrunken sind.

Und so hasten manche von Krug zu Krug durch das Leben, um ihren Durst zu stillen, immer in der Meinung, dann endlich das Glück gefunden zu haben, um am Ende nur doch wieder durstig zu sein. Getrieben vielleicht auch von der Angst, dass es nicht reichen wird, dass sie nicht genug kriegen und zu kurz kommen.

Es gehört nämlich viel Mut dazu, das Wasser im Krug nicht auszutrinken, sondern es dafür zu verwenden, den Brunnen freizulegen. Immer wieder. Jenen Brunnen, der die Quelle ist. Und zu diesem Mut können wir nur finden, wenn wir dem, der den Zettel unter den Krug gelegt hat, vertrauen, dass er es gut mit uns meint.

Auch auf eurem Lebensweg, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, gibt es einen Brunnen und die Botschaft unter Euren Wasserkrügen: „Ich bin gekommen, dass ihr das Leben habt und es in Fülle habt“, verspricht Jesus im Evangelium. „Ich bin das Brot des Lebens!“, sagt er. „Vertraut mir, dann werdet ihr leben.“

Ich möchte euch Mut machen, ihm wirklich zu vertrauen. Er meint es gut mit euch. Auch und gerade dann, wenn ihr mal meint, dass Ihr alles habt, was ihr braucht zum Glücklichsein.

Ich möchte euch Mut machen, alles, was ihr in eurem Leben besitzen und erreichen werdet, immer wieder einzusetzen, um an die Quelle zu kommen. Ich wünsche euch die Erfahrung, dass das Leben bunter und schöner wird, wenn man es aus Liebe zu einem anderen riskiert, aus Begeisterung für eine gute Sache, aus Hoffnung auf eine Welt, die einmal besser und gerechter werden kann. Auch über manche Durststrecke hinweg.

„Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser, und ihr, die ihr keine Geld habt! Los, kauft und esst! Los, kauft ohne Geld und ohne Preis Wein und Milch!“ so haben wir Gott, einem Marktschreier gleich, in der Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja gehört. Die Bibel ist voll von solchen Geschichten und Bildern, die davon erzählen, dass unser ganzes Leben ein Geschenk Gottes ist, und es da erst richtig losgeht, wo Menschen darum wissen und daraus leben.

Eigentlich ist es doch eine Binsenwahrheit. Wirklich Wichtiges im Leben bekommen wir geschenkt: Freundschaft, Liebe, Treue, Loyalität und Frieden. Und es ist immer schon alles da. Dafür müssen wir nirgendwo hinrennen. „Halt an!“ hat schon Angelus Silesius vor 400 Jahren geschrieben: „Halt an! Wohin läufst Du? Der Himmel ist doch in Dir!“

Überall dort, wo Menschen dieser Einladung folgen und sich beschenken lassen, wo sie selbst großzügig und wohlwollend sind, weil doch alles gratis ist, wird die Fülle des Lebens auch da erfahrbar, wo Mangel herrscht: jene Frau zB., die durch die Flutkatastrophe selbst nicht mehr hat, als sie auf dem Leib trägt und die dann doch das letzte, was ihr geblieben ist, mit einem teilt, der noch ärmer dran ist als sie. Ist das nicht ein Fest in Zeiten, wo es nichts zu feiern gibt? Ist diese Frau nicht ein Teil der Fülle des Lebens? Wird da nicht das Wort Jesu wahr: Ich bin gekommen, dass ihr das Leben in Fülle habt?

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, ihr werdet heute konfirmiert. Damit bekräftigt ihr, was eure Eltern für euch bei der Taufe versprochen haben: Ihr wollt im Glauben an Gott leben. Natürlich dürft Ihr auch zweifeln. Der Zweifel gehört zum Glauben. Wichtig ist aber, diesen Gott nicht loszulassen, sondern immer wieder nach ihm zu fragen und seine Zettel unter euren Wasserkrügen, um im Bild zu bleiben, zu suchen und zu lesen.

Und wenn Ihr nicht versteht, warum er gerade dann für eurer Gefühl weit weg ist, wenn Ihr ihn am meisten braucht, dann verzweifelt nicht. Denn gerade dann ist er euch am nächsten, dann liebt er Euch am meisten. Ihr werdet es merken!
 Konfirmation bedeutet nämlich auch, dass Gott zu euch noch einmal laut und vernehmlich JA sagt. Wir hier in der Kirche dürfen das in seinem Namen heute tun: Ja, schön, dass Ihr da seid! Ihr selbst seid das kostbarste Geschenk!

Wir, die Gemeinde, möchten euch als kleine Erinnerung an eure Konfirmation einen Becher schenken, der Euren Namen und Euren Konfirmationsspruch trägt. Mit ihm wünschen wir euch, dass ihr nie Durst leiden müsst weder in Eurem Körper noch in Eurer Seele. Mit diesem Becher wünschen wir Euch aber auch, dass Ihr Euch nie mit den Wasserkrügen zufrieden gebt, sondern immer auch den zugehörigen Brunnen sucht. Wir wünschen euch darüber hinaus, dass die Menschen, denen ihr in eurem Leben begegnet, immer ein Gottesgeschenk in Euch sehen.

Und ich darf Euch als Eure Pfarrerin, die Euch eine wunderschöne Wegstrecke hat begleiten dürfen und dafür sehr dankbar ist, an dieser Stelle auch persönlich alles Liebe und Gute mit auf Eurem Weg geben. Ich finde es beachtlich, wie selbständig Ihr allein in den letzten 6 Monaten geworden seid und was für ein Standing Ihr gewonnen habt.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, vergesst nie, was die englische Dichterin Barret-Browning einmal geschrieben hat. „Die Erde ist randvoll mit Himmel, und in jedem gewöhnlichen Dornbusch brennt Gott. Aber nur jene, die sehen können, ziehen ihre Schuhe aus; Die anderen sitzen drumherum und pflücken Brombeeren.“ Vergesst das bitte nie, dass die Menschen, die euch lieben und jene, die euch anvertraut werden, für Euch ein ebensolches Geschenk sind wie Ihr für sie. Und die Vögel, die im Dornbusch nisten, das Wasser und die Brombeeren ebenfalls. Freut euch und vertraut der Botschaft, die unter jedem Wasserkrug liegt und in jedem gewöhnlichen Dornbusch brennt, wenn ihr nur genau hinschaut: Immer ist Gott bei Euch. Immer hat er mit seiner Liebe ein offenes Ohr für Euch. Nehmt ihn beim Wort. Glaubt ihm, dann habt Ihr das Leben in Fülle.

 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch in der Friedenskirche in Offenbach am Main.