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02 April
Montag, den 02.04.2018 09:30 Uhr Friedenskirche

Ostermontag

Predigt von A.K.

Gnade sei mit Euch und Frieden von Gott unserem Vater und Sohn Jesus Christus, Amen.
Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im 1. Korintherbrief, Kapitel 15, die Verse 50-58.
Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht ererben, auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muß anziehen die Unverweslichkeit und dies Sterbliche muß anziehen die Unsterblicheit. Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort das geschrieben steht: „Der Tod ist verschlungen vom Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!
Darum meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wißt, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.
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Liebe Gemeinde, eine der gängigen Klagen am Zustand der heutigen Gesellschaft ist, das es keine Tabus mehr gibt.
Autoritäten werden nicht mehr geachtet, Rettungssanitäter werden angegriffen, wenn sie sich in einem Einsatz befinden, das Klima des politischen Diskurses ist vergiftet. Und im Fernsehen wie auch bunten Blättern, kehren manche ihr Privatleben nach außen, dass man nicht anders kann, als sich fremdzuschämen. Manches aus dem Privat- und Intimleben anderer Menschen will man lieber nicht wissen.
Und trotz alledem ist da ein Thema, welches aus dem Alltagsleben verbannt und mit einem Tabu belegt ist, obwohl genau dieses Thema uns alle betrifft. Und obwohl wir uns diesem Thema nicht werden entziehen können.
Denn eins ist sicher: Am Ende unseres Lebens steht der Tod.
Nur, wie gehen wir heute damit um? Vieles was über Generationen selbstverständlich war, ist es heute überhaupt nicht mehr:
Vorbei die Zeiten, in denen man selbstverständlich sein Leichenhemd schon zu Lebzeiten im Schrank hat.
Vorbei die Zeiten, in denen die Aufbahrung zu Hause eine Selbstverständlichkeit war.
Vorbei die Zeiten, in denen Anghörige selbstverständlich bei den Sterbenden wachten und die Totenversorgung übernahmen.
Über den Tod wird nicht geredet und – noch bedenklicher – auch wenig nachgedacht.
In manchen Bereichen ist der Tod ziemlich prominent.
Kein Krimi ohne Tote,
Keine Nachrichten ohne Tote.
Wenn es um die persönliche Betroffenheit geht, dann wird der Tod so gut es geht verdrängt.
Grund genug, sich an diesem Feiertag mit dem Tod auseinanderzusetzen.
Vor dem Tod haben wir Angst. Denn der Tod entläst uns in eine Ungewissheit und führt uns auf einen Weg, den wir letztendlich alleine gehen. Am Ende dieses Weges steht dann die Beziehungslosigkeit. Und sollte diese Beziehungslosigkeit vollständig eintreten, dann wäre damit auch die Verbindung zu Gott getrennt.
Für alles, was uns von Gott trennt, haben wir im religiösen Sprachgebrauch den Begriff der Sünde.
Und insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass in der christlichen Tradition der Tod auch als der letzte Feind bzw. der letzte Kampf gesehen wird, der uns von Gott trennt.
Denn Gott schenkt Leben. Gott tritt mit uns Menschen in eine Beziehung.
Beides hat der Tod nicht.
Würden wir hier stehen bleiben, so wäre das eine bedrückende Perspektive. Wir leben unser Leben und am Ende steht dann die absolute Beziehungslosigkeit, die Trennung von Gott.
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Und genau an diesem Punkt steigt unser Predigttext ein.
Denn in der Gemeinde in Korinth gab es Auseinandersetzungen darüber, ob sich der Glaube an die Auferstehung nur auf Jesus bezieht oder auch auf alle Menschen.
Würde sich die Auferstehung nur auf Jesus beziehen, dann stünde am Ende unseres Lebens in der Tat die oben beschriebene Beziehungslosigkeit zu Gott und damit letztendlich auch der Sieg des Todes über Gott.
Bezieht sich die Auferstehung aber auch auf uns restliche Menschen, dann stellt sich die Frage nach dem Wie. Wie sollen wir uns das vorstellen. Wird es ein Weiter-So mit uns Menschen geben, so wie wir hier auf der Erde sind?
Unsere Vorstellungen dazu bleiben zwangsläufig Stückwerk und sind insbesondere dadurch begrenzt, dass wir uns nur das vorstellen können, was sich innerhalb unseres Erfahrungshorizontes bewegt.
Alles andere bleibt uns verschlossen. Es ist ein Geheimnis. Etwas, was wir in unserem Leben niemals vollständig begreifen werden.
Eine vollständige Antwort auf diese Frage nach der Aufersteheung geben auch diese Verse des Predigttextes nicht. In einem Punkt sind die Verse aber eindeutig: es wird nicht alles beim alten bleiben. Soviel vermag Paulus zu sagen: Es tritt eine Verwandlung ein. Eine Verwandlung, mit der endgültig Tod und Sünde überwunden werden.
Damit wird unsere Aufmerksamkeit auf etwas Zukünftiges gelenkt, etwas, was wir hier in unserem irdischen Leben nicht erleben werden.
Es ist so, als wenn in unserem begrenzten Leben und unserem begrenzten Erfahrungshorizont eine Tür geöffnet wird. Aber die Tür öffnet sich nicht vollständig, sondern nur einen kleinen Spalt.
So, als ob man an einem hellen, warmen Sommertag in einem dunklen Raum sitzt und die Außentür einen kleinen Spalt öffnet. Die Schönheit der Blumen und Bäume kann man gar nicht sehen, dafür ist der Ausschnitt viel zu klein. Aber man bekommt sofort einen Eindruck von der strahlenden Sonne da draußen, vielleicht hört man auch das ein oder andere Zwitschern der Vögel aber das war‘s dann auch schon.
Auch wenn es unmöglich im Detail die Landschaft draußen zu erfassen, so lässt sich aus dem Wenigen was durch den Türspalt in den Raum gelangt zumindest schließen, dass draußen offensichtlich schönes Sommerwetter herrscht.
So verhält es sich auch mit den Versen des heutigen Predigttextes: Es ist wenig was wir erfahren, aber diese Verse leuchten hell genug in unser Leben hinein, um uns eine Ahnung dessen zu geben, dass uns keine beziehungslose Dunkelheit erwartet.
Aber was machen wir mit diesem Ausblick?
Die Tür wieder schließen und tun als wäre nichts?
Den Spalt offen lassen, uns aber nicht weiter damit befassen?
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Was würden wir im „richtigen“ Leben machen?
Würden wir nicht das Licht, welches unseren dunklen Raum zumindest teilweise erleuchtet, nutzen, um uns im diesem Raum zu orientieren?
Sicher, eine vollständige Ausleuchtung des Raumes findet nicht statt, es bleibt uns nur ein kleiner Abglanz der strahlenden Sommersonne.
Aber gerade wenn wir uns vielleicht in der Dunkelheit des Raumes unwohl gefühlt haben, uns vielleicht gefürchtet haben, so ist doch mit dem Türspalt ein Anfang gemacht. Ein wenig Licht von draußen erhellt unsere Umgebung und gibt uns Orientierung im Raum. Wer weiß, vielleicht finden wir dadurch ein wenig Holz, ein wenig Papier und können selbst Feuer machen, um den Raum weiter zu erleuchten und zu wärmen.
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Hinter uns liegt die Karwoche und der Ostersonntag. Wir gedachten der Festnahme, Verurteilung und Kreuzigung Jesu und feierten gestern die Auferstehung.
Ja, es ist schön, im Frühjahr mal Zeit für einen Kurzurlaub zu haben. Aber das ist ja nicht der Zweck dieser Feiertage. Es lohnt sich, die Freizeit, die uns die Feiertage schenken, zum Nachdenken darüber zu nutzen, was Auferstehung denn persönlich bedeutet.
Sicherlich, jeden Sonntag bekennen wir die Auferstehung Jesu von den Toten und eben auch den Glauben an die Auferstehung der Toten.
Der heutige Predigttext gibt uns Bilder, wir wir mit diesen Glaubenssatz – nämlich dem Glauben an die Auferstehung der Toten – umgehen können.
Mit Ostern feiern wir die Überwindung des Todes. Das ist einfach gesagt. Nur, wo spüren wir dass denn. Wir sind doch in unserem jetzigem Leben umringt vom Tod in allen seinen Facetten.
Kriege erschüttern uns, Krankheiten machen sprach- und ratlos. Geliebte Menschen sind nicht mehr unter uns.
Und das ist ja nicht alles, der Tod lauert noch an vielen anderen Stellen. Zum Beispiel überall dort, wo Beziehungen absterben oder in Gleichgültigkeit verenden. Aber auch da, wo sich Beziehungen in Hass verwandeln und nun die leibliche, wirtschaftliche oder politische Vernichtung des Gegners Leitlinie allen Handelns ist.
Ob wir es wollen oder nicht, wir sind in diesen Strukturen gefangen, sei es auf der passiven Seite, wenn etwas mit uns geschieht, wenn wir zum Beispiel mit einer unheilbaren Krankheit konfrontiert sind; sei es auf der aktiven Seite, wenn wir es sind die Beziehungen nicht pflegen oder wenn wir es sind, die aktiv daran arbeiten, Beziehungen zu verschlechtern.
In beiden Fällen sitzen wir dann in unserer dunklen Kammer.
Und in beiden Fällen, kann uns das Osterlicht, welches durch den Türspalt in unsere dunkle Kammer hindurch eindringt, unser Leben erleuchten und Orientierung geben.
Aus der Auferstehung Jesu nehmen wir mit, dass Jesus den Weg des Leidens und des Todes schon vorangegangen ist und wir uns ihm anvertrauen können, gerade in den Momenten der Angst und Trauer.
So, wie man sich am besten mit den Menschen über eine besonders prägende Situation austauschen kann, die die gleichen prägenden Erlebnisse gemacht haben, so steht das Leiden Jesu dafür, dass Gott uns auch und gerade in den dunklen, den unangenehmen Situationen im Leben zur Seite steht. Wir können uns ihm mit allen unseren Nöten und Ängsten anvertrauen, Jesus ist den Weg bereits gegangen, er kennt unsere Nöte und Ängste.
Und dabei ist es nicht geblieben. Nach dem Durchschreiten des Todes – im Glaubensbekenntnis sprechen wir die Worte – „hinabgestiegen in das Reich des Todes“, hat er eben diesen Tod hinter sich gelassen.
Der Tod als letztes Ende unseres Daseins, als Trennung von Gott hat damit ausgedient. Der Tod trennt uns eben gerade nicht mehr von Gott.
Ja, er ist da, er ist präsent aber er hat seinen Schrecken verloren.
Diese Gewissheit, die kann uns auch jetzt schon verwandeln. Sicherlich, wir werden immer wieder mit Situationen konfrontiert sein, die uns sprachlos machen, denen wir ohnmächtig gegenüberstehen. Situationen, in denen das Bild vom Kampf mit dem Tod die Situation vielleicht noch am besten beschreibt.
Aber dann gibt es andere Situationen, denen wir uns entgegenstellen können, vielleicht gelassen, vielleicht in einem Kampf, aber immer mit einem Mut, der sich aus der Gewissheit speist, dass eben der Tod nicht das letzte Wort über uns hat.
So können wir der Endlichkeit unseres Lebens in Auge sehen, unser Leben sozusagen vom Sterbebett aus leben, indem wir uns – immer mal wieder – fragen, ob das was uns gerade antreibt, auch noch dann wichtig ist, wenn wir auf unserem Sterbebett unser Leben Revue passieren lassen. (Vielleicht relativiert sich dann so manches).
Uns so brauchen wir uns auch nicht mit dem Haß und der Gleichgültigkeit, die Beziehungen zerstört, abzufinden oder ihnen gegenüber zu erstarren, wie das Kaninchen vor der Schlange.
Statt Schockstarre können und sollen wir uns einsetzen für eine Welt in der Leben und Beziehung gefördert werden.
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Ostern ist mehr als zwei zusätzliche freie Tage im Frühling. Das Osterlicht das in unser Leben fällt, ermöglicht uns Orientierung für das eigene Leben, es ermöglicht uns das Licht des Sieges über den Tod weiter zu tragen und mit dem Licht neues, eigenes Licht in die Dunkelheit dieser Welt zu bringen.
Ostern gibt uns die Gewissheit, dass der Tod, die Trennung von Gott nicht das letzte Wort haben.
Mit den Worten des Psalmbeters aus dem Psalm 118, – der Psalm, den wir gemeinsam zu Beginn des Gottesdienstes sprachen – können wir sprechen „ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen“.
Das befähigt uns, trotz aller Angst und Unsicherheit genau diese Frage stellen „Tod, wo ist Dein Sieg Tod, wo ist dein Stachel?“
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch in der Friedenskirche in Offenbach am Main.