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30 Juli
Sonntag, den 30.07.2017 09:30 Uhr Friedenskirche

Glaubens-Brot

  • mit Michael Brück

Predigt zum 7.Sonntag nach Trinitatis

Liebe Gemeinde,
wie ist es Ihnen gegangen, als Sie im Konfirmandenunterricht davon gehört haben, wie Christus immer wieder von den Pharisäern herausgefordert wurde, wie sie ihm nach dem Leben trachteten, wie sie ihn drangsalierten und forderten, dass man das Gesetz ganz formal einhalten müsse?
Ich habe mir damals gedacht: Warum hat Christus eigentlich nicht die himmlischen Heerscharen aufmarschieren lassen und damit allen gezeigt, wer hier der Herr der Welt ist?
Die übliche Antwort auf diese Frage ist die, die Christus dem ungläubigen Thomas gibt: Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben.
Möglicherweise ist es aber auch so, dass Christus gewusst hat: auch wenn er die himmlischen Heerscharen hätte aufmarschieren lassen – die Menschen hätten ihm auf Dauer doch nicht geglaubt.​Diesen Verdacht jedenfalls legt unser heutiger Predigttext nahe. Er steht im 6. Kapitel des Johannes-evangeliums.
Das 6. Kapitel beginnt mit der Speisung der 5.000. Ein größeres Wunder kann man sich kaum vorstellen: 5.000 Menschen werden satt von 5 Gerstenbroten und 2 Fischen und als die übriggebliebenen Brocken eingesammelt werden, füllen sie 12 Körbe – viel mehr als die ursprünglichen 5 Brote und 2 Fische. Das war doch was. Das war doch ein Wunder. Das war doch mindestens genauso beeindruckend, wie es der Aufmarsch der himmlischen Heerscharen gewesen wäre.
Ja, für die 5.000 Menschen war das beeindruckend. Johannes berichtet, dass sie von Jesus sagten: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Deshalb wollten sie Christus auch zum König machen, damit sie immer etwas zu essen haben würden. Christus wollte das nicht. Er ist weggegangen und die Leute haben ihn den ganzen Tag gesucht – vergeblich.
Am nächsten Tag fanden sie ihn. Sie hatten wieder Hunger. Und Christus sagte ihnen auf den Kopf zu: ihr sucht mich nicht, weil ich euch ein großes Zeichen gegeben habe. Ihr sucht mich, weil ihr wieder Hunger habt und weil ich euch wieder etwas zu essen geben soll. Darum ging es aber gar nicht bei der Speisung der 5.000. Es ging Jesus nicht darum viele Menschen für einen Tag satt zu machen. Es ging ihm darum, dass die Menschen sehen, dass er der von Gott Gesandte ist, dass sie an ihn glauben. Darauf antworten die Leute wie es von Johannes im heutigen Predigttext in den Versen 30 – 35 des 6. Kapitels berichtet wird:
(30) Was tust du denn für ein Zeichen, auf dass wir sehen und glauben dir? Was wirkest du? (31) Unsere Väter haben das Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht: „Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen“. (32) Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Nicht Moses hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das rechte Brot vom Himmel. (33) Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. (34) Da sprachen sie zu ihm: Herr gib uns allzeit solches Brot. (35) Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
Man kann es nicht fassen: Am Tag zuvor hat Christus die 5.000 gespeist und heute schon fragen ihn dieselben Menschen: Was tust du denn für ein Zeichen, dass wir dir glauben können? Was bewirkst du denn schon?
Am Tag zuvor hatte sich die Erkenntnis Bahn gebrochen: das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll – also Christus als der Messias und Gottes Sohn. Und heute ist der Glaube anscheinend aufgebraucht und es wird ein neues Wunder verlangt. Hätte sich Christus zum König machen lassen, wäre ihm das wahrscheinlich jeden Tag passiert.
Und die Leute haben auch genaue Vorstellungen davon, was sie haben wollen. Sie sagen zu Christus: weißt du: unsere Väter haben in der Wüste jeden Tag Manna bekommen. Das war Brot vom Himmel. Das wollen wir auch – von dir. Sie wollen jeden Tag satt gemacht werden. Solche Forderungen werden auch heute erhoben. Nur heute nennt man so etwas voraussetzungsloses Grundeinkommen.
Christus versucht nochmal, den Leuten klar zu machen, um was es geht: Gott hat damals in der Wüste dem Volk das Manna gebracht – und nicht Moses. Gott ist es auch, der dem Volk heute nicht nur Manna gibt, sondern das wahre Brot vom Himmel und dieses wahre Brot vom Himmel ist das Brot des Lebens. Gut, sagen die Leute. Das nehmen wir auch. Sie sagen: Herr, gib uns allzeit solches Brot.
Das zeigt: die Leute haben es immer noch nicht kapiert. Sie missverstehen Christus. Sie denken er spricht davon, dass man täglich etwas zu essen bekommt. Den Leuten geht es ja nur darum. Sie wollen jeden Tag etwas zu essen haben, Brot zwischen den Zähnen und keinen Hunger mehr. Das ist ja auch wichtig. Nicht umsonst beten wir im Vater unser: unser tägliches Brot gib uns heute.
Aber darum geht es hier in diesem Text nicht. Brot ist nicht gleich Brot.
Christus sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Wenn es um körperliche Sättigung ginge, müsste Christus fragen: wollt ihr mich essen, wo ich doch das Brot des Lebens bin. Und tatsächlich: unter den Moslems ist dieses Missverständnis verbreitet. Da hält man teilweise die Christen für eine Art Kannibalen, weil sie ja ihren Gott essen. Und auch Johannes berichtet im Anschluss an unseren Predigttext, dass auch die Juden Christus fragen, wie er ihnen sein Fleisch zu essen geben wolle. Diesem Missverständnis dürfen wir nicht aufsitzen.
Christus spricht: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
Es geht um mehr als die täglich neue Befriedigung von Grundbedürfnissen. Es geht darum, dass wir in Christus in einem anderen Zustand sind. Leben heißt dieser Zustand und diesen Zustand beschreibt Christus so, dass wir garnichtmehr hungrig oder durstig sein werden, dass wir frei von der täglichen Befriedigung unserer Grundbedürfnisse sein sollen.
Ich bin das Brot des Lebens – diese Aussage beschreibt einen Zustand den wir hier in unserer Welt nicht erreichen. Hier müssen wir täglich neu um unser tägliches Brot kämpfen und Gott auch immer neu darum bitten. Hier gilt immer noch, dass wir im Schweiße unseres Angesichts unser Brot essen sollen bis wir wieder zu Staub werden.
Ich bin das Brot des Lebens – dem damit beschriebenen Zustand können wir hier in unserer Welt im Abendmahl noch am nächsten kommen. Im Abendmahl geht es auch nicht darum, den leiblichen Hunger zu stillen oder etwas gegen den Durst zu trinken, sondern es geht darum, in Brot und Wein zu ihm, zu Christus unserem Herren zu kommen und an ihn, unseren Herren zu glauben.
Es ist ein Unterschied zwischen unserem täglichen Brot und dem Brot des Lebens. Unser tägliches Brot umfasst alle unsere Lebensgrundlagen und wir bitten Gott täglich darum, dass er es uns gibt. Das Brot des Lebens hingegen vermittelt uns den Zustand der Gemeinschaft mit Christus. Und wer diesen Unterschied beachtet, kann auch nicht ernsthaft behaupten, die Christen würden ihren Gott essen.
Christus hat mit den Leuten noch weiter geredet und versucht, sie zu überzeugen. Sie haben den Unterschied zwischen dem täglichen Brot und dem Brot des ewigen Lebens, auch weiterhin nicht begriffen. Was so großartig mit der Speisung der 5.000 begonnen hatte, endete in Unverständnis und Streit.
Und was bedeutet das für uns?
Wir bitten Gott um unser tägliches Brot. Wir sind darauf angewiesen, dass Gott unsere Bitte erhört. Aber anders als die Leute damals nach der Speisung der 5.000 sollten wir Gott nicht vorschreiben wollen, wie er unser Gebet zu erhören hat. An Gott zu glauben heißt auch, zu akzeptieren, dass Gott besser weiß, was gut und richtig für uns ist. Das ist so, auch wenn es uns zuweilen schwer fällt. Aber weil das so ist, können wir für ein erbetenes Stück Brot das ewige Leben bekommen.
Amen.

Michael Brück

 

 

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